In der Symphonie des Waldes baden

16.04.2026
Allgemein, Sport & Freizeit

Kaum hat man das Dorfzentrum von Eugendorf hinter sich gelassen, findet man sich in dem ein oder anderen Wald wieder. Es zwitschern die Vögel, es raschelt in den Blättern, ein Feuersalamander kreuzt den Weg. Der Wald berührt all unsere Sinne und das Waldbaden ist mehr als ein Trend: Es ist eine naturnahe Möglichkeit der ganzheitlichen Erholung und ein Urlaubserlebnis, das noch lange in Körper, Geist und Seele nachklingt.

Bach im Wald

Das zarte Sonnenlicht fällt in schrägem Winkel durch die Fichten und Tannen: Wie ein Laser scheint der Lichtstrahl auf magische Art und Weise den blitzblauen Sommerhimmel hoch über unseren Köpfen mit dem moorigen Boden unter unseren Füßen zu verbinden. Es ist früh am Morgen, der Tag bricht an und kaum haben wir den sommerlichen Wald betreten, macht sich in der Kühle ein Gefühl von Geborgenheit breit. Nun heißt es erst einmal: tief durchatmen. Einen guten Stand wählen, die Augen schließen, die Arme öffnen und diese wunderbar-erdige Mischung aus Holz, Moos und Harz einzuatmen und geräuschvoll wieder auszuatmen. Mit jedem Atemzug wird das Gefühl von „Zurück zu unseren Wurzeln“ spürbar und intensiver: Denn waren wir nicht alle einmal im Wald zuhause? Ist das nicht unser Ursprung? Europa war nach der letzten Eiszeit vor gut 9.000 Jahre noch fast zur Gänze von Wald bedeckt. Der Wald erinnert uns an ein längst vergangenes Dasein, das noch tief in unseren Genen gespeichert ist. Das ist auch der Grund, warum wir uns im Wald – in diesem stillen großen Grün – evolutionsbedingt so wohl und geborgen fühlen.

Waldbaden mit allen Sinnen

Den dunklen Märchenwald, wie er in Rotkäppchen und Hänsel & Gretel beschrieben wird, gibt es kaum noch. Die Wälder, durch die wir spazieren und radeln, sind lichte und gepflegte Wälder: Wege führen in sie hinein und auch wieder heraus. Das nimmt uns die Angst und bietet uns Orientierung. Und das ist wichtig, denn auch wenn wir ursprünglich Waldmenschen waren, bewegen wir uns nur noch selten zwischen hochaufragenden, dichten Bäumen.

Wer für eine Auszeit in das heilsame Grün eintauchen möchte, der findet darin einen Rückzugsort, dessen ganzheitliche Wirksamkeit längst wissenschaftlich belegt ist. In Japan geht man schon seit den 1980er Jahren bewusst in den Wald zum Shinrin Yoku. Längst gilt das „Waldbaden“ auch in Mitteleuropa als Gesundheitstrend. Wesentlich dabei ist das bewusste Wahrnehmen aller visuellen Eindrücke, aller Gerüche und Geräusche des Waldes. Wie fühlt es sich an, die Rinde eines alten oder eines jungen Baumes zu berühren? Wie riecht es, wenn wir Tannennadeln zwischen den Fingerspitzen verreiben? Wie unterscheiden sich die Laute der Wildtiere voneinander? Wie fühlt es sich an, barfuß über kühles Moor zu laufen oder sich einfach nur auf einen Baumstumpf zu setzen und der Stille zu lauschen? Welche Pflanzen können wir entdecken, welche Beeren oder Pilze?

Grün macht glücklich

Baumwirpfel

Wer in den Wald geht, der sucht Stille: Stille vom Alltag, Stille von den eigenen Stimmen im Kopf. So richtig still ist es im Wald jedoch nie: Äste knacksen unter den eigenen Füßen. Hier ertönt das Klopfen eines Spechtes, da der Ruf eines Eichelhähers. Hier raschelt eine Maus im Laub, da braust der Wind in den Wipfeln. Es ist keine Stille oder völlige Ruhe, vielmehr eine „Un-Ruhe“: Und genau diese Geräuschkulisse macht uns ruhig, fährt unser Nervensystem runter und öffnet die inneren Räume der Stille. Im Wald müssen wir nichts tun oder darstellen: Allein schon das intensive Einatmen der sogenannten Baum-Terpene und weiterer Aromastoffe wirkt intensiv. Es befreit die Bronchien, senkt den Blutdruck und den Blutzuckerspiegel, erhöht die Immunabwehr sowie die Konzentrationsfähigkeit und unsere Gedächtnisleistung. Und es erleichtert es uns, ganzheitlich zu entspannen. Wie stark die Natur, der Wald und das Grün auf uns Menschen wirken, belegen zahlreiche Studien. So wurde festgestellt, dass Krankenhauspatienten, die von ihren Betten aus auf einen grünen Park blicken, schneller genesen als solche, die auf einen Parkplatz oder Häuserfassaden schauen.

Bewegung im Wald

Treppen, die in den Wald hinein führen

Moderate Bewegung in der Natur erhöht die Wirkung des Waldes um ein Vielfaches: ob Spazierengehen, Joggen oder Laufen, ob Trailrunning, Radfahren oder Nordic Walking, ob Yoga- oder Atemübungen. Die Kombination aus frischer Luft, Wald und Bewegung ist ideal für einen Entspannungsurlaub. Besonders wohltuend: An hochsommerlichen Tagen schenkt der Wald erholsame Kühle. Eugendorf ist umgeben von Wäldern, die zum großen Teil den hier ansässigen Landwirten gehören. In Österreich stehen Wälder allen Menschen offen: Sie dürfen zu Erholungszwecken betreten werden, dennoch sollte man sich bewusst sein, dass man sich an einem Ort befindet, der jemandem gehört. So sollte man sich ruhig verhalten, auf den Wegen bleiben, keinen Müll hinterlassen oder gar Feuer entzünden.

Anleitung zum Waldbaden
Beim Waldbaden geht es darum, zur Ruhe zu kommen und allen Sinneseindrücken ganz bewusst Achtung zu schenken. Ob hören, sehen, fühlen, schmecken oder riechen: Der Wald ist ein Ort, der tief in unserem Innersten wirkt – intensiv und nachhaltig. Waldbaden ist nicht kompliziert: Oft reicht es schon, sich für 5 bis 10 Minuten hinzusetzen (etwa auf einen Holzstamm) und seine Umgebung bewusst zu beobachten und wahrzunehmen. Wer Erfahrung hat, kann das bewusste Eintauchen in die Waldatmosphäre auch mit Atem- oder Körperübungen, Yoga oder Qi Gong kombinieren. Spazierengehen ist die einfachste Form, um die Vorzüge des Waldes zu genießen.

Autorin: Franziska Lipp